Okt 2017, Nato-Atomwaffen-Manöver über der Eifel: laut, gefährlich, illegal und dumm.

FOCUS-Online, 19.10.2017: Atomwaffenfähige Jagdbomber üben in der EifelManöver „Steadfast Noon“: Nato trainiert wieder für das Atomkrieg-Szenario. Die deutsche Luftwaffe trainiert seit Anfang der Woche mit Nato-Partnern für das Horrorszenario eines Atomkrieges. Nach Angaben aus der Nato-Zentrale in Brüssel wird die „Steadfast Noon“ genannte Übung noch bis Freitag dauern. Start- und Landeplatz für die Jagdbomber seien der Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz sowie der Militärflugplatz Kleine Brogel in Belgien, sagte ein Sprecher.


Lokalzeitung TRIERER VOLKSFREUND, 18.10.2017, von Katharina de Mos
Geheim, aber ziemlich laut: Internationale Luftstreitkräfte trainieren in der Eifel und in Belgien derzeit den Umgang mit amerikanischen Nuklearwaffen.
Es ist nicht einfach irgendein militärisches Flugtraining. Wer dieser Tage Kampfjets hört, die durch den Himmel über der Region Trier donnern, könnte Zeuge einer Nato-Atomwaffenübung geworden sein.
Friedensforschern zufolge trainiert das Militärbündnis derzeit für den Kriegsfall den Umgang mit den US-amerikanischen Atombomben, die im Eifelort Büchel und Kleine Brogel in Belgien stationiert sind. Wie das Nato-Hauptquartier in Brüssel auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds bestätigt, finden vom 16. bis 20. Oktober an beiden Orten Flugübungen statt. „Diese Übungen gewährleisten, dass die Luftstreitkräfte des Bündnisses in der Lage sind, effektiv zusammenzuarbeiten, wenn dies nötig ist“, sagt eine Nato-Sprecherin. Die Details des Trainings namens „Steadfast noon“ (was wörtlich übersetzt „standhafter Mittag“ bedeutet) seien allerdings „classified“, teilt die Nato-Sprecherin auf Englisch mit – sie sind geheim. „Das Ziel ist rein defensiv“, betont sie. Und wie immer basiere die Übung auf einem fiktionalen Szenario.
Sehr viel bereitwilliger Auskunft geben Friedensforscher wie Otfried Nassauer, Direktor des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit. Bei dem Training das jährlich an mehreren Nato-Standorten stattfinde, werde zum einen der Umgang mit den Atomwaffen am Boden trainiert: wie man sie sicher aus den unterirdischen Magazinen zu den Flugzeugen transportiert und unter die Kampfjets montiert. Zudem gebe es auch Flugtrainings. Unter anderem dürften diese in einem militärischen Luftübungsraum namens Tra Lauter stattfinden, der über einem Teil der Region Trier liegt.
„Geflogen wird aber ohne Bomben“, betont Nassauer. Selbst auf Übungssprengköpfe werde verzichtet. Da die Flüge Begleitschutz bekommen, beteiligten sich an dem Training auch Staaten, die nicht Teil des Nuklearbündnisses – der nuklearen Teilhabe – zwischen den USA, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Türkei sind.
So berichtet der US-Kernwaffenexperte Hans Kristensen vom Nuclear Information Project in Washington/DC lokale Beobachter hätten nun auch tschechische und polnische Kampfjets über Belgien und der Eifel gesehen.
Er geht davon aus, dass die Nato ihre Nuklearstrategie dem zunehmend feindlichen Verhältnis mit Russland anpasst. Die Geheimnistuerei um die zuvor nicht angekündigte Nato-Übung finde er interessant. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Nato sich vor einigen Wochen noch bitter beschwerte, dass Russland nicht transparent über seine große Zapad-Militärübung an der Nato-Ostgrenze berichtete. Auch in Deutschland gibt es Kritik. So sagt Xanthe Hall von der Vereinigung „Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs“: „Wir fordern die Bundesregierung auf, Übungen für den Atomwaffeneinsatz einzustellen und endlich dem internationalen Atomwaffenverbot beizutreten.“
In den vergangenen Jahrzehnten hatten solche Forderungen keinerlei Erfolg. Alle Rufe, die Bomben abzuziehen, blieben ohne Konsequenzen. Die nuklearen Sprengköpfe werden wohl noch Jahrzehnte in Deutschland lagern. Haben die USA doch vor, ihr Arsenal zu modernisieren (siehe Info).
Und daher werden auch die in Büchel stationierten deutschen Tornado-Jets noch lange im Einsatz sein – einfach deshalb, weil sie es sind, die im Ernstfall mit den US-Bomben bewaffnet werden, ehe deutsche Soldaten sie zum Ziel fliegen und abwerfen. Der Fluglärm, der Nassauer zufolge mit der Übung zu tun haben dürfte, macht dies derzeit deutlicher denn je.
 
Info: Atombomben in Büchel
(Mos) Es ist ein offenes Geheimnis, dass in Büchel die letzten US-Atombomben auf deutschem Boden stationiert sind. 20 Stück sollen es sein, die in unterirdischen Magazinen lagern. Ab 2022 sollen sie durch modernisierte Nuklearwaffen ersetzt werden. Friedensforscher fürchten die Fähigkeiten der neuen Bombengeneration B 61-12. Denn statt „dumm“ – also frei fallend – werden sie präziser lenkbar sein als die alten B 61-3 und B 61-4. So sind die Bomben besser für die Zerstörung einzelner Ziele geeignet. Sie richten auch weniger ungewollten Schaden an. „Damit könnte die Hemmschwelle sinken, sie zu verwenden“, sagt Otfried Nassauer, Direktor des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit. Um die Bomben im Krieg einsetzen zu können, behält die Luftwaffe ihre in der Eifel stationierten Tornados nicht wie geplant bis 2020, sondern bis 2035.


NATO Nuclear Exercise Underway With Czech and Polish Participation
Posted on Oct.17, 2017 in NATO, Nuclear Weapons, United States by Hans M. Kristensen  - By Hans M. Kristensen
NATO reportedly has quietly started its annual Steadfast Noon nuclear strike exercise in Europe. This is the exercise that practices NATO’s nuclear strike mission with dual-capable aircraft (DCA) and the B61 tactical nuclear bombs the US deploys in Europe. In addition to nuclear-capable aircraft from Belgium, Germany, Italy and the Netherlands, local spotters have also seen Czech Gripens and Polish F-16s. The United States will likely also participate with either F-16s from Aviano AB in Italy or F-15Es from RAF Lakenheath in England.
The non-nuclear aircraft from Czech Republic and Poland are participating under NATO’s so-called SNOWCAT (Support of Nuclear Operations With Conventional Air Tactics) program, which is used to enable military assets from non-nuclear countries to support the nuclear strike mission without being formally part of it. Polish F-16s have participated several times before, including in the Steadfast Noon exercise held at Ghedi AB in Italy in 2010.
This year’s Steadfast Noon exercise is taking place at two locations: Kleine Brogel Air Base in Belgium and Buchel Air Base in Germany. Both bases store an estimated 20 US B61 nuclear bombs for use by the national air forces. This is the second year in a row that the exercise has been spread across two bases in two countries. Last year’s exercise was held at Kleine Brogel AB (Belgium) and Volkel AB (Netherlands). The multi-base Steadfast Noon exercises are often coinciding with or preceding/following other exercises such as Decisive North and Cold Igloo.
There are currently an estimated 150 B61 bombs deployed at six bases in five European countries.