Der tödliche Kinderspielplatz...

Eigentlich liebe ich die Natur, genieße das Leben, mache die Augen auf und dann auch wieder zu. So auch neulich an einem schönen Samstag in der Nähe von Büchel in der Eifel.

Mein Blick fiel auf einen Kinderspielplatz, der hinter einem Zaun lag. Ich ging einen Schritt auf den Zaun zu, weil ich das Schild am Zaun lesen wollte. Und was lese ich da: „Militärischer Sicherheitsbereich. Unbefugtes Betreten verboten. Vorsicht Schusswaffengebrauch!“ Oh! Da nahm ich dann doch lieber Abstand, wollte weder in den Sandkasten noch auf die Rutsche. Durch den Zaun wäre das ohnehin schwierig gewesen und das Tor nebenan war leider verschlossen.

Auf der anderen Seite des Tores befindet sich ein kleines Häuschen, eine Art Kapelle, darin eine Blumen-umgränzte „Heiligen Barbara“. Ein Hinweisschild informiert über den Anlass und den Sinn dieses geschnitzten Kunstwerkes: Peter Pfeifer aus dem nahegelegenen Alfen hat es im Jahr 1950 aus Dankbarkeit für seine Rückkehr aus dem Krieg vom „Herrgottschnitzer Wilhelm Müller aus Gevenich“ anfertigen lassen. „Die Hl. Barbara ist eine der 14 Nothelfer. Sie ist nicht nur Schutzpatronin der Berg- und Hüttenleute, sondern ist auch Patronin der Artilleristen, Feuerwehren, Tunnel- und Festungsbauer, Bauhandwerker, Glockengießer, Ärzte, Krankenschwestern und Apotheker, Fähr- und Zimmerleute, sowie Modistinnen und Hutmacher. Bitte behandelt diese Stätte mit dem nötigen Respekt.“

Die kleine Holzfigur macht mich nachdenklich. Immerhin ist sie für Peter Pfeifer ein Hinweis darauf, dass wir unser Leben nicht so ganz im Griff haben. Und wenn einer aus dem Krieg gesund zurück kommt, hat er sicher allen Grund zu danken. Dennoch frage ich mich, ob die Hl. Barbara hier richtig am Platz ist. Diese Frage stellte sich mir noch mehr im Hinblick auf den Kinderspielplatz, denn ich ahnte, weshalb der Kinderspielplatz hinter einem Zaun liegt und auch, weshalb das Spielen in dieser Gegend sehr gefährlich ist. Ich befand mich vermutlich in der tödlichsten Gegend Deutschlands. Hinter dem Zaun halten sich nämlich nicht nur Kinder auf, sondern viel mehr Männer und seit ein paar Jahren auch Frauen. Und die sind nicht zufällig hier, sondern sie haben eine todernste Aufgabe: Sie gehören zu einem Luftwaffengeschwader mit Tornados, 40 an der Zahl, wie mir gesagt wurde. Allerdings seien derzeit nicht alle hier. Manche befänden sich gerade in der Türkei im Einsatz. Diejenigen, die in Büchel verblieben sind, sollen auch hier bleiben. Für den „Ernstfall“. Was diesen „Ernstfall“ besonders brisant macht, ist die Tatsache, dass hier, direkt hinter dem Kinderspielplatz und der Hl Barbara auch 20 Atombomben lagern. Diese gehören zwar den Amerikanern, aber im Kriegsfall würden sie von deutschen Soldaten mit ihren Tornados ins Ziel geflogen. Bei den derzeitigen Übungsflügen trainieren die Soldaten den Bombenabwurf mit Attrappen, aber im Ernstfall...

Mich entsetzt diese Tatsache. Hat die Bundesregierung nicht den Atomwaffen-Sperrvertrag unterschrieben? Wie ist es möglich, dass Bundeswehr-Soldaten dennoch den Einsatz von Atomwaffen trainieren? Hat nicht der Bundestag bereits im Jahr 2010 mit großer Mehrheit den Abzug dieser Waffen beschlossen? Stimmt es, dass statt dessen die Waffen mit Zustimmung der Bundesregierung für viele Millionen €uro einsatz-tauglicher gemacht werden? Muss sich die Bundesregierung nicht an die Beschlüsse des Parlamentes halten? Weshalb beteiligt sich die Bundesregierung nicht an den Verhandlungen der Vereinten Nationen zum Atomwaffen-Verbot, obwohl 132 andere Staaten genau dies tun? Fragen über Fragen.

Ich wüsste nicht, wie ein Mensch den Einsatz solcher Waffen rechtfertigen kann. Millionenfacher Mord wird von einem friedliebenden Land bzw. dessen Regierung vorbereitet. Das sollten wir nicht mittragen. Schon gar nicht als Christen. Dass sich die Tornados mit dem (Eisernen) Kreuz „schmücken“, fordert mich zusätzlich heraus. Ich werde jedenfalls hierüber nicht schweigen, werde mich an Aktionen beteiligen, damit dieses Teufelszeug wieder verschwindet. Und Sie? Sie sollten sich wenigstens informieren.

Mehr Infos gibt es hier: https://buechel-atombombenfrei.jimdo.com
Juni 2017, Martin Höfflin-Glünkin