Bistum Fulda: Atomwaffen abschaffen!

Erklärung des pax christi-Präsidenten Bischof Heinz Josef Algermissen, Fulda, anlässlich des 71. Jahrestages (6./9.8.2016) der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

71 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki und angesichts des anhaltenden Risikos einer nuklearen Katastrophe drängt die katholische Friedensbewegung pax christi fortwährend auf eine generelle Abschaffung aller Atomwaffen.

Dabei wissen wir uns eins mit der Friedensbotschaft der Päpste und mit der überwältigenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die einer Forsa-Umfrage vom 21.03.2016 zufolge zu 93 % dafür eintritt, dass Atomwaffen, ähnlich wie chemische und biologische Waffen, völkerrechtlich verboten werden sollen.

Jeglicher Einsatz von Kernwaffen hätte eine schwere Katastrophe mit weltweit verheerenden Auswirkungen auf Menschen, die gesamte Kreatur und das Klima zur Folge, die das Ausmaß an Zerstörung und Verwüstung in Hiroshima und Nagasaki weit übertreffen würde. Folglich ist die Aufrechterhaltung der atomaren Abschreckung eine willkürliche Politik des Kalkulierens mit nicht zu verantwortenden Folgen. Schon der Besitz solcher Waffen mit dem in Kauf genommenen Einsatzrisiko und der immensen Ressourcenverschwendung muss geächtet werden.

Dazu kommt, dass seit dem Ende des Kalten Krieges enorme Summen in die Modernisierung der Atomwaffen gesteckt werden. Dieses Geld könnte viel besser verwendet werden, Not und Elend zu bekämpfen, die Situation von Menschen in Krisengebieten zu verbessern und somit eine Politik zu betreiben, die auch angesichts der Flüchtlingsströme Frieden in Gerechtigkeit ermöglicht. Denn „während man riesige Summen für die Herstellung tödlicher Waffen ausgibt, kann man nicht genügend Hilfsmittel bereitstellen zur Bekämpfung all des Elends in der heutigen Welt“ (2. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 81).

pax christi bedauert, dass sich die Bundesregierung, entgegen einer von allen Fraktionen getragenen Erklärung des Bundestages, nicht mehr für einen beispielhaft vorangehenden Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland einsetzt, sondern die Modernisierung der im Raketendepot in Büchel/Hunsrück gelagerten Atomwaffen zulässt. Die nach dem Atomwaffensperrvertrag verbotene „nukleare Teilhabe“ durch Lagerung von Atomwaffen auf deutschem Boden ist eine brisante Realität.

Die pax christi-Bewegung engagiert sich deshalb in der Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei. jetzt“. Mit den Zielen erkläre ich mich als Präsident ausdrücklich einverstanden:

  • Stopp der nuklearen Aufrüstung in Deutschland
  • Abzug der Atomwaffen aus Büchel
  • Ein Verbot aller Atomwaffen

Mit diesem Engagement erinnern wir auch an die Forderungen des 2. Vat. Konzils in seiner Pastoralkonstitution Gaudium et Spes (1965) in Nr. 80: „Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung… abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist. Die besondere Gefahr des modernen Krieges besteht darin, dass er sozusagen denen, die im Besitz neuerer wissenschaftlicher Waffen sind, die Gelegenheit schafft, solche Verbrechen zu begehen… Damit in Zukunft so etwas nie geschieht, beschwören die versammelten Bischöfe des ganzen Erdkreises alle, insbesondere die Regierenden und die militärischen Befehlshaber, sich jederzeit der großen Verantwortung bewusst zu sein, die sie vor Gott und der ganzen Menschheit tragen.“ Diesem Appell ist nichts hinzuzufügen!
Berlin/Fulda, 1. August 2016

+ Heinz Josef Algermissen

Präsident von pax christi Deutschland
Bischof von Fulda

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